Es gibt Tage, die schon am Morgen schwer sind. Ohne klaren Grund ist da eine Unruhe, eine Leere, eine alte Sorge, die plötzlich wieder Raum bekommt. Und oft machen wir es uns noch schwerer, indem wir sofort versuchen, diesen Zustand zu verändern. Wir wollen dankbarer sein, positiver denken, uns sammeln und möglichst schnell wieder funktionieren. Doch nicht jeder schwere Tag braucht eine Lösung. Manchmal braucht er vor allem die Erlaubnis, so sein zu dürfen, wie er gerade ist.
Auch die Seele kennt unterschiedliche Zeiten. Nicht jeder Tag ist hell, kraftvoll und leicht. Wir sind keine Menschen, die immer funktionieren müssen. Gefühle kommen und gehen, Gedanken verändern sich, und dennoch sind wir mehr als das, was wir gerade empfinden.
Es macht einen Unterschied, ob wir sagen: „Ich bin leer“ oder „Da ist Leere“. In diesem kleinen Abstand wird spürbar, dass wir nicht mit unserem Gefühl identisch sind. Hinter allem, was sich in uns bewegt, bleibt etwas bestehen – ein innerer Grund, der wahrnimmt, ohne sich in der Leere zu verlieren, und uns daran erinnert, dass in uns mehr ist als das, was wir gerade empfinden.
Ein schwerer Tag ist nicht wertlos, nur weil wir wenig leisten. Ein Tag muss nichts beweisen. Auch ein stiller, müder oder ungeordneter Tag gehört zu unserem Leben. Nicht alles wächst im Licht. Wurzeln wachsen in der Dunkelheit, vieles heilt in der Stille, und manches ordnet sich in uns, ohne dass wir es bewusst bemerken.
Die tiefere Aufgabe solcher Tage liegt deshalb nicht darin, sie zu besiegen, sondern sie zu durchschreiten, ohne uns selbst zu verlassen. Weniger fordern, weniger urteilen und bewerten, weniger erklären. Nur den nächsten Schritt gehen und bei sich bleiben. Am Abend muss dann keine große Erkenntnis stehen. Es kann genügen zu sagen: Dieser Tag war schwer. Ich habe ihn nicht verändert. Aber ich bin geblieben – bei meinem Leben und bei mir selbst.