Die Wechseljahre sind mehr als eine hormonelle Veränderung. Sie sind ein Übergang. Und Übergänge haben immer mit Trauer zu tun. Mit dem Abschied von Bildern, die uns lange getragen haben: von Jugend, von bestimmten Rollen, von einem vertrauten Körpergefühl, von einem „So war ich bisher“. Trauer ist nicht nur die Antwort auf den Tod eines geliebten Menschen. Sie zeigt sich überall dort, wo etwas vergeht, das zu unserem Leben gehört hat. In diesem Sinn berühren die Wechseljahre einen zutiefst menschlichen Raum der sehr individuell und vielgestaltig ist.
Für manche Frauen ist diese Zeit kaum spürbar, für andere eine tiefe innere Erschütterung. Schlaflosigkeit, Hitze, Unruhe, Erschöpfung, Zweifel – aber auch Fragen nach Sinn, Richtung und Wahrheit können auftauchen. Wie in jeder Trauerzeit gilt: Das Alte trägt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da. Man steht dazwischen. In einem Übergangsraum. Und genau darin liegt nicht nur Verlust, sondern auch Möglichkeit. Viele spirituelle Traditionen sehen diese Lebensphase als Initiation: als Hinwendung von der äußeren Leistung zur inneren Weisheit, von Funktion zu Wesentlichkeit.
Mit dem Loslassen kommt eine neue Frage: Was brauche ich wirklich? Was nährt mich? Was ist mir jetzt wichtig? Der Körper spricht in dieser Zeit oft deutlicher als zuvor – nicht gegen uns, sondern für uns. Er fordert Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit, Fürsorge. Eine Sprache der Wandlung mit der Einladung, langsamer zu werden und tiefer zu hören.
Trauer und Wandel gehören zusammen. Man verliert, man zweifelt, man wächst. Und man kehrt nicht als dieselbe zurück, die man war. Veränderung ist kein Ausnahmezustand – sie ist das Wesen des Lebens. Die Wechseljahre können so zu einem Neubeginn werden: nicht als Rückzug, sondern als Hinwendung zu einer wahrhaftigeren Nähe zu sich selbst.
Nachklang
Trauer und Wechseljahre sind keine Brüche, sondern Schwellen. Zwei Tore, die in denselben Raum führen: in eine größere Tiefe des Daseins. In einen Raum, in dem wir weniger festhalten und mehr vertrauen. Weniger funktionieren und mehr sein. Oder wie Rilke sagt, Teil dessen, was Leben ausmacht: Abschied nehmen – und darin dem Wesentlichen näherkommen. Uns selbst.
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Wechseljahre - Beratung/Begleitung durch und mit Corinna Pawelek
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