Was heißt es, bei sich zu bleiben in einer Welt, die uns ständig nach außen zieht? Wann sind wir wirklich da – und wann nur beschäftigt, angepasst, abgelenkt? Unsere Zeit ist reich an Möglichkeiten, aber arm an Tiefe in der Sichtbarkeit, Tempo und Leistung belohnt wird.
So lernen viele, sich zu zeigen, zu funktionieren, zu reagieren – und verlernen, sich selbst zu bewohnen.
Die Welt wird künstlicher, und mit ihr werden es oft auch unsere Bilder vom Leben und vom Menschen. Der Schein zählt mehr als das Sein. Alles richtet sich auf das Außen, auf Wirkung und Darstellung. Und leise geht dabei etwas verloren: die Beziehung zu uns selbst. Wir wissen, wie wir wirken – aber immer seltener, wie wir sind.
Bei sich zu bleiben heißt nicht, sich abzugrenzen oder die Welt auszuschließen. Es heißt, innerlich anwesend zu sein. Sich selbst nicht zu verlassen, wenn es unbequem wird. Sich nicht zu übergehen, um zu funktionieren. Eine gesunde Selbstbeziehung beginnt dort, wo wir uns zuhören: den Gedanken, den Gefühlen, dem Körper, den leisen inneren Signalen, die sagen, was uns gut tut und was nicht.
Viele leben in ständiger Anpassung und verlieren darüber den Kontakt zu sich selbst. Das Leben wird voll – aber nicht erfüllt. Beschäftigt – aber nicht bewohnt. Sich selbst wiederzufinden ist kein großer Akt, sondern eine Rückkehr: innehalten, spüren, ehrlich werden.
Bei sich zu bleiben heißt auch, die eigenen Grenzen zu wahren. Wer innerlich einen Ort hat, kann in Beziehung gehen, ohne sich zu verlieren. Kann wachsen, ohne sich zu verbiegen. Kann lieben, ohne sich selbst zu verlassen.
In einer lauten Welt ist bei sich zu bleiben ein stiller Akt von Treue. Vielleicht ist die Beziehung zu uns selbst die ursprünglichste aller Beziehungen. Und vielleicht beginnt genau hier das, was wir Leben nennen: ....innerlich da zu sein.
Katrin Zaffke, 12.02.2026